Nachricht an GEMAdialog

Meine Nachricht an GEMAdialog, auf deren facebook-Seite viel hin und her diskutiert wird, aber ein echter Dialog meistens ausbleibt. Meiner Meinung nach diskutieren dort zum großen Teil festgefahrene GEMA-Verfechter gegen etwas offenere GEMA-Kritiker. Trotzdem hab ich es probiert – vielleicht kommt ja etwas Konstruktives dabei heraus: 

Um die etwas festgefahrene Diskussion mal um ein paar Punkte zu bereichern, möchte ich hier mal 2 Bücher empfehlen:
1.„Mashup – Lob der Kopie“ von Dirk von Gehlen (2011), worin er auf das völlig neue Phänomen der digitalen Kopie hinweist und einen neuen Begriff des Originals fordert: „Dies ist kein binär zu unterscheidendes solitäres Werk (1), sondern ein in Bezüge und Referenzen verstrickter Prozess (2), und seine skalierte Originalität beruht immer auf Zuschreibungen und Konstruktionen (3), die man mit ihm verbinden will.“ Damit weist er darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen Original und Kopie in unserer Zeit hinfälliger wird – Die Kopie ist qualitativ nicht mehr vom Original zu unterscheiden und der Begriff der Kopie ist viel zu negativ konnotiert. Er schreibt: „Wir können nicht nicht kopieren.“ Und das gerade in der Musik. Mit zahlreichen Beispielen von musikalischen Zitaten und Samples zeigt er die Absurdität auf, dass Remixer, was letztendlich alle Musiker sind (NIEMAND schafft etwas genial originäres aus sich selbst heraus, sondern kopiert und verändert etwas), bei der GEMA und anderen Rechteinhabern alle Samples clearen müssten.
2. „Free Culture“ von Lawrence Lessig (2004), worin Lessig aufzeigt, wie die wenigen mächtigen Medienkonzerne (wazu auch die GEMA zählt) und ihre Unterstützer und Lobbyisten, von denen sich ja auch einige hier im Dialog bewegen, im Namen des geistigen Eigentums einen „Copyright War“ kämpfen, indem sie das Urheberrecht immer weiter ausweiten, sowohl zeitlich (auf heute 95 Jahre nach dem Tod des Urhebers) als auch inhaltlich (waren früher nur die Verleger durch das Urheberrecht geschützt, haben heute Urheber und Verleger sogar Rechte auf abgeleitete Werke). Das stellt aber eine Gefahr für die Freie Kultur dar, wenn Menschen zu sehr kontrollieren können, was mit ihren Werken geschehen darf. Beide Autoren sprechen sich deutlich für ein angemessenes Urheberrecht aus, das an die digitale Zeit angepasst wird. Und ACTA ist in diesem Zusammenhang ein Schritt in die falsche Richtung, weil er das Problem der digitalen Kopie nicht grundsätzlich hinterfragt, sondern alte Geschäftsmodelle aufrechterhalten werden.
Mike Masnick bringt es in einem on3-Radiointerview so auf den Punkt: „Wenn eine Sache immer verfügbar ist, dann sinkt natürlich ihr Preis. Und wenn etwas so grenzenlos verfügbar ist wie Musik, dann rutscht der Preis in Richtung null. Aber das heißt nicht, dass man mit Musik kein Geld mehr verdienen kann.“
Als zentrales Moment der heutigen Entwicklung arbeiten von Gehlen und Lessig zudem den Wandel des Konsumenten zum Prosumenten heraus, der heute ständig in Konflikt mit dem Urheberrecht und der GEMA kommen kann. Till Kreutzer sagt dazu auf der re:publica 2011: „Urheberrecht war früher für Profis und ist heute ein allgemeines Verhaltensrecht.“
(…)
Wie ist die Position der GEMA hinsichtlich ACTA und den Ausweitungen der Urheberrechte vor diesem Hintergrund zu verstehen? Wieso darf die GEMA so weitreichend unsere Kultur kontrollieren? Ich sehe ja die Notwendigkeit der GEMA, aber plädiere für eine tiefgreifende Reform und ein Überdenken der übergeordneten Strukturen und Verhältnisse sowie der Positionierung hinsichtlich des Urheberrechts und ACTA.

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