Ideen für den Musikunterricht und grundlegende Haltungen für MusiklehrerInnen

Hier möchte ich nun einige Ideen für den Musikunterricht vorstellen. Oft bestehen diese Anregungen aus Fragen, die mit SchülerInnen behandelt und diskutiert werden können. Sie sollen als Anstöße dazu dienen, wie der Musikunterricht von heute in Abgrenzung und in Ergänzung zu Projekten wie „PlayFair – Respect Music“ aussehen und mit den Themen Digitalisierung, Urheberrecht und Musikindustrie umgehen könnte. Die Fragen und Ideen sind als Ausgleich zu bereits etablierten Konzepten zu diesem Themenbereich zu verstehen und deutlich aus meiner Sicht heraus formliert. Damit möchte ich einen Beitrag hin zu einer neutraleren Information für SchülerInnen und darauf aufbauender Meinungsbildung leisten sowie ein (ggf. notwendiges) Neudenken bei MusiklehrerInnen ermöglichen. Abschließend empfehle ich in einem „Hin und Weg“ grundlegende Haltungen für MusiklehrerInnen.

Lob der Kopie – „Wir stehen auf den Schultern von Riesen“

1. Die Kopie in der Musik

  • Zitat, Sample, Variation, Remix, Bearbeitung, Mashup und Bastard-Pop als kreativer Umgang mit Kopien?
  • Herausstellen des Kopierens als zentrale Kultur- und Lerntechnik: „Man kann nicht nicht kopieren.“ (Dirk von Gehlen)
  • „Mashup-Künstler Mozart“: Auch das Genie kopiert
  • Signifyin‘ im HipHop: Analyse von Samples als Referenzkultur
  • The Grey Album (2004) von DJ Danger Mouse: Das erste Bastard-Pop-Album und die Reaktionen von EMI und des Grey Tuesday darauf.
  • Die Remix-Kultur im Portrait

2. Musikalisch kopieren

  • Lernen durch Kopieren und Nachahmen: Musikinstrumente spielen lernen
  • Remixen am Computer: Digitale Programme aktiv nutzen, um mit ihnen Remixe (kreative Bearbeitungen) von Musik zu erstellen
  • Komponieren mit Motiven

3. Der Begriff Kopie

  • Hinterfragen der Begriffe „Raubkopierer“, „Copy kills music“ und „digitaler Diebstahl“: Wieso ist die Kopie so negativ konnotiert? Warum vergleicht die Musikindustrie Kopieren mit dem Diebstahl eines Fahrrads?
  • Kopie vs. Plagiat
  • Kopie vs. Original: Wie sinnvoll ist diese Unterscheidung noch? (Dirk von Gehlen)
  • Drei grundlegende Kriterien einer lobenswerten, kreativen Kopie (nach Dirk von Gehlen): (1) Glaubwürdigkeit durch Quellenangaben und Darlegung des Referenzrahmens (2) In eine neue Form gießen / Übertragen in einen neuen Kontext (3) Durch die Kopie ein neues Werk schaffen

Das Urheberrecht

  • Welche eurer Handlungen sind vom Urheberrecht/Copyright betroffen?
  • Was ist das Urheberrecht? Wie lange sind Schutzfristen, wer besitzt die Rechte und warum ist das Urheberrecht wichtig? Warum wird das Urheberrecht beständig verlängert und ausgeweitet?
  • Wer wurde schon mal abgemahnt / Kennt ihr jemanden, der „erwischt“ wurde? Eine kritische Untersuchung der Abmahnindustrie und der „Three-Strike“-Modelle in Frankreich und England.
  • Was ist nach heutigem Urheberrecht in Bezug auf Musik erlaubt, was verboten? Was würdet ihr gerne machen?
  • Was hat sich durch die Digitalisierung in Bezug auf das Urheberrecht verändert? „Urheberrecht war früher für Profis und ist heute ein allgemeines Verhaltensrecht.“ (Till Kreutzer: re:publica 2011)
  • Wie müsste ein an die Digitalisierung angepasstes Urheberrecht aussehen? Welche Interessen haben KünstlerInnen, Musikindustrie, Prosumenten und HörerInnen und wie lassen sie sich ausgleichen?

Musikindustrie – nur eine Erscheinung des 20. Jahrhunderts?

  • Geschichte der Musikindustrie
  • Umsätze der „Big Three“ (Universal Music Group, Sony Music Entertainment und Warner Music Group)
  • Braucht man im digitalen Zeitalter noch die Musikkonzerne? Welche Funktionen erfüllen sie und was ändert sich daran im 21. Jahrhundert?
  • Klagen der Musikindustrie gegen Privatpersonen und Napster und Co.: Absichten der Kriminalisierung
  • „Freie Kultur“ von Lawrence Lessig: „Wie die großen Medienunternehmen die Technologie und das Recht ausnutzen, um die Kultur wegzusperren und die Kreativität zu kontrollieren“

Musik im Internet

  • Internetseiten zum Musikhören (Amazon und iTunes, Facebook-Bandseiten, CC-Plattformen, Bandcamp.com, soundcloud.com, Stream-Seiten, Youtube)
  • Wie verdienen MusikerInnen heute Geld? Zwischen sinkenden Tonträger-, steigenden Konzerteinnahmen und digitalen Märkten
  • Welche Alternativen Geschäftsmodelle gibt es? Der Ansatz von Creative Commons als Lösung? Was ist die Kulturflatrate?
  • FileSharing, FileHoster, Dropbox, Youtube und Co.: Was geschieht auf diesen Seiten? Was ist legal? Was sind die positive und negativen Seiten des FileSharings? Sollte FileSharing generell legalisiert werden? Wieso sind immer mehr Videos auf Youtube mit Hinweis auf die GEMA nicht verfügbar?
  • Ist Streaming legal? Wie viel verdienen MusikerInnen beim Streaming?
  • Bandcamp.com: Freiwillig direkt an die MusikerInnen zahlen – Du bestimmst selbst den Preis: Würdet ihr zahlen?

„Hin und Weg“ für MusiklehrerInnen – Meine Empfehlungen für grundlegende Haltungen:

  • Weg von der Kriminalisierung Jugendlicher aufgrund wirtschaftlicher und musikindustrieller Interessen
  • Weg von dem drohenden Zeigefinger des geistiges Eigentums und der „armen KünstlerInnen“
  • Weg von einer einseitigen Betrachtung von Youtube, FileSharing und Co.
  • Weg von falschen Begriffen wie Raubkopie, digitaler Diebstahl und Schutz des geistigen Eigentums (im Sinne einer immer weiter gehenden Kontrolle über Kultur)
  • Hin zum Lob der Kopie
  • Hin zur Wertschätzung digitaler Kulturtechniken
  • Hin zu einem kritischen Umgang mit dem aktuellen Urheberrecht und aktuellen Entwicklungen im Urheberrecht
  • Hin zum aktiven Teilnehmen an der musikalischen Remix-Kultur
  • Hin zum Fragen, was die Digitalisierung an der Kultur und der Gesellschaft verändern wird (Sind wir alle Künstler? Wie können Musiker weiterhin Geld verdienen?)
  • Hin zu einer Freien Kultur (z.B. nach Lawrence Lessig), in der Menschen kreativ mit Kultur umgehen können und die Besitzer der Urheberrechte nicht derart weit gehende Rechte haben Kultur zu kontrollieren, wie es in der heutigen „Erlaubnis-Kultur“ der Fall ist.

Über Kritik und Nachfragen in den Kommentaren würde ich mich sehr freuen.

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Eine Antwort zu Ideen für den Musikunterricht und grundlegende Haltungen für MusiklehrerInnen

  1. Pingback: Informations- und Unterrichtsmaterialien zum Urheberrecht für Schüler, Eltern und Lehrer | Freie Kultur und Musik

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