Nach einer kleinen Pause…

…habe ich nun endlich wieder etwas Zeit, über einige interessante Geschehnisse bezüglich des Urheberrechts zu berichten.

Zu nennen wäre an erster Stelle das Interview im Zündfunk des Bayrischen Rundfunks mit Sven Regener (Element of Crime-Sänger), in dem er in einer „Wut-Rede“ (anders kann man es kaum nennen…) neben Youtube über die Kostenloskultur und die Piratenpartei herzieht. Regener meint, den Musikern werde durch die Art und Weise, wie Musik im Internet heute mit Musik umgegangen wird, ins Gesicht gepinkelt und ihre Arbeit nicht genug wertgeschätzt. Regners Äußerungen haben an Ansgar Heveling erinnernd eine Welle des Protests im Netz ausgelöst (Twitter: #Regener). Mounira Latrache von Youtube und Christoph Lauer von der Piratenpartei haben im BR Stellung zu den Vorwürfen genommen. Auch Thomas Stadler kommentierte mit zahlreichen Kommentaren. John Weitzmann löste auf netzpolitik.org ebenfalls eine Welle von Kommentaren aus. Dirk von Gehlen wendet sich in einem offenen Brief an Regener und fordert ihn auf, konstruktiv an der Debatte teilzunehmen und über pauschale Vergütungssysteme zu diskutieren, während Johnny Häusler auf Spreeblick die verhärteten Fronten beschreibt. Das sind nur einige, die sich an den Worten Regeners stoßen oder über die Reaktionen aufregen. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht viel darüber schreiben, aber die Wortmeldungen zeigen erneut, wie nötig eine gesellschaftliche Diskussion über das Urheberrecht im digitalen Zeitalter, neue Geschäftsmodelle und Einkommensquellen von Künstlern ist.

Eine weitere Meldung erscheint mir erwähnenswert. Google verteidigt den von der MPAA angeklagten Filehoster Hotfile und damit auch indirekt Megaupload beim laufenden Verfahren der US-Regierung. Zentrales Argument von Google ist, dass Filehoster wie facebook, twitter, youtube und Co. unter dem Digital Millennium Copyright Act (DMCA) geschützt sind. Währendessen hat sich Kim Dotcom erstmals zu den Vorwürfen gegen ihn bezüglich Megaupload geäußert.

 

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3 Antworten zu Nach einer kleinen Pause…

  1. Thomas H. schreibt:

    Die Wutrede von Regener ist auch an mir nicht vorrüber gegangen. Musste dabei auch spontan an dich und deinen blog denken…schön, dass sie hier jetzt auftaucht.
    Ich finde seine Rede in sofern bemerkenswert, als dass sie genau aufzeigt, an welchen Stellen scheinbar aneinander vorbeidisskutiert. Eine gesellschaftliche Diskussion, wie du sie forderst, kann da Abhilfe schaffen…aber wie soll sowas aussehen? So lange viel Geld im Spiel ist sehe ich wenig Chancen, dass die Musikindustrie sich auf „aktuelle“ Geschäftsmodelle einlässt oder gar einlenkt. Und so lange diejenigen, die sich für diese Geschäftsmodelle einsetzen und gerade die Künstler gerne unterstützen würden, die nicht zu den Großverdienern gehören, nicht bereit sind, entsprechendes Geld zu zahlen (das schließt mich leider ein, denn auch die finanziellen Möglichkeiten spielen eine Rolle), sehe ich keine Möglichkeit für eine ergebnisoffene, gesellschaftliche Diskussion.
    Dann vielleicht doch lieber erstmal im Kleinen diese Werte leben, alternative Vertriebs- und Vermarktungsmöglichkeiten für Musik Raum zum Atmen geben und etwas schaffen, das wirklich funktioniert? Und dann sollen „die Großen“ mal nachziehen…nur so ein Wunschgedanke…
    LG

    • Philip Stade schreibt:

      Das sind sehr wichtige Punkte, die du hier ansprichst.
      Wie soll die Diskussion aussehen? Meiner Meinung nach ist es zunächst wichtig, dass immer mehr Menschen und auch Musiker und Künstler erkennen, wie und wie weit das aktuelle Urheberrecht und die mächtigen Interessen der Musikindustrie einen freien Umgang mit (digitaler) Kultur gefährden und dass darüber diskutiert werden muss, wie dieser Umgang in Zukunft aussehen soll. Die Proteste gegen SOPA, PIPA, ACTA und IPRED unterstützen das zunächst einmal. Diese Entwicklung dürfte es immer schwieriger machen, dass das viele Geld im Spiel und die wirtschaftlichen Interessen der Musikindustrie im Namen des Schutzes geistigen Eigentums die notwendige Diskussion unterbindet. Dabei darf man die politische Macht alter Geschäftsmodelle allerdings nicht unterschätzen, wie du zurecht schreibst.
      Diese Eingrenzung mächtiger Akteure muss natürlich Hand in Hand gehen mit dem Ausprobieren neuer Geschäftsmodelle im Kleinen, was dann einen wichtigen Teil der Diskussion darstellen würde. Allein deshalb finde ich die Creative Commons, Bandcamp, Kickstarter und Flattr so wichtig, weil sie immer mehr Menschen dazu bringen, über einen durch die Digitalisierung bestimmten Prozess nachzudenken und diesen selbst mitzugestalten (in meinem nächsten Artikel möchte ich einige dieser Alternativen vorstellen).
      Darüber hinaus muss natürlich auf der politischen Ebene dafür gesorgt werden, dass die aktuellen Entwicklungen möglichst ergebnisoffen diskutiert werden können und nicht zu sehr durch die Erlaubniskultur eingeschränkt werden. In der Enquete Kommission Internet und digitale Gesellschaft wird u.a. darüber spannend diskutiert. Da sehe ich generell trotzdem viele Probleme und Gefahren, aber die aufstrebende Piratenpartei und der Widerstand gegen ACTA könnten da meiner Ansicht nach einiges bewegen. Aber vieles bleibt natürlich zunächst nur Wunschgedanke…
      LG

  2. Pingback: Ein Jahr “Freie Kultur und Musik” – Rückblick auf die Urheberrechtsdebatte 2012 | Freie Kultur und Musik

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