Neue Player im digitalen Musikmarkt

In den letzten Monaten haben sich vier neue Player auf den Weg begeben, den Umgang mit Musik im Internet neu zu definieren.

1. Google Play

Google Play ist die neue Plattform von Google, auf der Apps, Musik und Bücher cloud-basiert geteilt, entdeckt und gekauft werden können. In Deutschland ist bis heute nur der App-Store verfügbar, aber in den USA ist der Google-Music-Teil der Plattform bereits erreichbar. Das Prinzip von Google Play in Bezug auf Musik erinnert stark an Bandcamp. Musiker werden dazu aufgerufen, auf eigenen Seiten im Google Play Artist Hub ihre Musik zum Stream anzubieten und selbst festzulegen, wieviel Kunden für Downloads zahlen sollen. 30% der Einnahmen gehen an Google, der Rest direkt an den Künstler, der allerdings einmalig 25 US $ für die Erstellung der eigenen Präsenz bezahlen muss (Bei Bandcamp ist das entsprechende Verhältnis 15 zu 85 und die eigene Seite kostenlos!). Darüber hinaus ging Google Kooperationen mit den Majorlabels ein und schafft damit ein noch nicht dagewesenes Musikangebot im Internet. Über die enge Verknüpfung mit Google+ und Youtube sowie die mobile Nutzung des Cloud-Dienstes auf Android-Geräten könnte Google somit zukünftig den Umgang mit Musik entscheidend prägen.

2. GreenLight Music (Beta)

Bill Gates hat mit dem Musik-Lizenzierungsdienst GreenLight Music (Beta) einen neue Möglichkeit geschaffen, wie schnell und einfach Lizenzen für Musikstücke der Majorlabels erworben werden können, damit sie u.a. in Filmen, bei Events und auf Webseiten eingesetzt werden können. Ein Beispiel: Wenn ich den Song „Fly like an eagle“ der Steve Miller Band bei einem einmaligen Schulevent mit bis zu 500 Zuhörern abspielen möchte, sind 300 US-$ in Deutschland dafür realistisch (Wie da ein entsprechender Tarif bei der GEMA aussehen würde, weiß ich leider gerade nicht). Bei anderen Anfragen steigen die Preise zum Teil stark an. Insgesamt zeigt GreenLight Music damit meiner Ansicht nach eindurcksvoll, wie viel die Lizenzierung von Musikstücken heute kostet und in welchen Großenordnungen die Majorlabels die Einräumung von Nutzungsrechten bezahlt haben möchten. Das Angebot, diesen Vorgang zu vereinfachen und zu beschleunigen, ist durchaus sinnvoll, aber wer sich welche Lizenzen über die PLattformen besorgen kann, bleibt abzuwarten. Für kleinere Projekte erscheinen mir die Preise nur schwer bezahlbar.

3. ReDigi (Beta)

Redigi.com ist dabei, mit einem einfachen Prinzip die komplette Urheberrechtsdebatte zu hinterfragen. Es geht darum, ob man Musik-Downloads, die man gekauft hat, legal weiterverkaufen darf, wenn man sie nicht mehr benötigt. Was mit CDs und Schallplatten auf dem Flohmarkt möglich ist, soll nun auch digital möglich sein. De-Bug beschreibt das Prinzip genauer und erläutert die Fallstricke, die sich für die Musikindustrie daraus ergeben: Was kaufe ich eigentlich, wenn ich ein Musikstück bei iTunes erwerbe? Darf ich es weiterverkaufen oder habe ich nur ein stark eingeschränktes Nutzungsrecht? Wie abzusehen war, wurde der Second-Hand-mp3-Shop bereits von der US-Musikindustrie verklagt. Das mit Spannung zu erwartende Urteil könnte richtungsweisend für den Umgang mit Musikdownloads sein.

4. iTunes Match

Für 24,99 EURO pro Jahr bietet Apples iTunes per iTunes Match an, dass man seine ganze Musikbibliothek, auch wenn sie nicht bei iTunes gekauft wurde, auf 256 KBit/s AAC-Qualität ohne DRM aufwerten und in der eigenen iCloud „überall“ verfügbar speichern kann. Sämtliche Musikdateien werden dadurch hinsichtlich urheberrechtlich unerlaubter Kopien offiziell „legalisiert“ und damit stellt Apple einen sehr spannenden Ansatz bereit, seine eigene Musikbibliothek per Cloud-Computing für einen sehr fairen Preis legal zu nutzen. Dazu dieser Artikel aus der Süddeutschen: Wie iTunes Match der Kulturflatrate den Weg ebnet.

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