Dokumentation meiner Session auf dem Futuremusiccamp 2012

Vom 11.-12.Mai 2012 habe ich am Futuremusiccamp (FMC) an der Popakademie in Mannheim teilgenommen. Vom Smix.lab organisiert bot das FMC vormittags Talks und Showcases an während nachmittags die „Unkonferenz namens Barcamp“ statt fand. Vornehmlich kamen die Teilnehmer aus dem Bereich Musikwirtschaft und -management. Neben vielen Studenten aus der Popakademie und aus Paderborn bestimmten ebenso  einige namhafte Vertreter das Bild: u.a. Matthias Gutjahr (numblog.de), Jonas Brander (rightclearing.com), Johan Uhle (freenerd.de), Dr. Patrick Schmidt (Philomelos.com), einige SonyMusic-Vertreter, Wolfgang Senges (Cultural Commons Collecting Society (C3S)), Christian Hufgard (@Musikpirat, musik.klarmachen-zum-aendern.de), Markus Biedermann (BackstagePro) und Alexander Talmon (@atalmon). Insgesamt habe ich das FMC als ein sehr spannendes Treffen von interessanten Menschen aus verschiedenen Bereichen empfunden. Der familiäre Rahmen bietet gute Möglichkeiten sich auszutauschen. In naher Zukunft möchte ich meine Eindrücke der gesamten Konferenz auf diesem Blog veröffentlichen, aber jetzt möchte ich zunächst die Dokumentation meiner Session vorstellen:

Think big, think forward – Drei Texte, um die festgefahrene Urheberrechtsdebatte weiterzubringen

Am Freitag konnte ich diese Session halten. Die ungefähr 20 Teilnehmer kamen aus unterschiedlichsten Richtungen, vom Rechtsanwalt bis zum Blogger, von der Studentin bis zum SonyMusic-Vertreter, von der GEMA-Vertreterin über Musiker bis zum Musikpsychologen. Anhand von drei allgemeinen Texten habe ich versucht, die Urheberrechtsdebatte ein kleines Stück weiter zu bringen:

  1. Dirk von Gehlen – Mashup. Lob der Kopie
  2. Lawrence Lessig – Free Culture
  3. Dr. Till Kreutzer – Urheberrecht 2037

Anhand meiner Slides stellte ich kurz die Kernthesen der Texte (siehe ausführlicher hier und hier) vor, um direkt im Anschluss daran in die Diskussion zu treten. Aufrund der Verschiedenheit der Hintergründe der Teilnehmer ergaben sich schnell Diskussionpunkte, von denen ich einige hier (sinngemäß) nachzeichnen möchte.

Alexander Talmon: „Ist das Spielen am Klavier eine Kopie der Komposition?“ Meine Antwort: Ja, wir lernen durch kopieren. Nach Dirk von Gehlen wäre das Nachspielen einer Komposition am Klavier auch eindeutig eine lobenswerte Kopie.

Markus Biedermann: „Lessigs Free Culture kommt gefühlt aus den Anfängen des Internets.“

Der Rechtsanwalt fragt: „Was hat so etwas hier verloren, sollten wir nicht gerade solche Ansätze hier nicht besprechen?“ Tobias Kösters: „Gerade solche Positionen sind wichtig. Bei Musik geht es nicht nur um Verwertung.“

SonyMusic-Vertreter: „Wir leben doch heute in einer freien Kultur!“ „Es ist Bullshit, dass es die Musikindustrie in Zukunft nicht mehr geben wird.“

Zum Begriff Musikindustrie: „Diese Industrie gibt es heute nicht mehr.“

Ein großer Streitpunkt war, dass Dirk von Gehlen sich für eine Kulturflatrate ausspricht und ich darin auch eine sinnvolle Lösung sehe, die zumindest ausprobiert werden müsste. Viele Teilnehmer standen diesem Ansatz sehr skeptisch gegenüber, weil sie meinten, eine Überwachung aller Datenübermittlungen wäre dafür nötig. Auf dem KSWD wurden verschiedene pauschale Vergütungssysteme deutlich differenzierter betrachtet und diskutiert.

Alexander Talmon: „Das Problem von Creative Commons ist, wie ich eingrenzen kann, dass Rechtsradikale meine Musik nicht nutzen dürfen.“

Der Rechtsanwalt fragt: „Wieso ist hier davon die Rede, dass das Urheberrecht verschärft würde?“ Meine Antwort: „ACTA macht genau das auf internationaler Ebene.“ SonyMusic-Vertreter: „ACTA wurde völlig falsch kommuniziert, weil ACTA nichts nach deutschem Recht verändert.“ Meine Antwort: „ACTA ist aber eine internationale Weichenstellung für das zukünftige Urheberrecht.“

Insgesamt waren bei der Diskussion direkt wieder viele Emotionen im Spiel. Leider wurde nur wenig anhand der von mir präsentierten Texte diskutiert und die Teilnehmer argumentierten schnell wieder in den typischen Positionen der Urheberrechtsdebatte. Natütlich ist es schwer, eine solche Diskussion nur auf die vorgestellten Texte zu konzentrieren und ich musste darauf achten, dass ich die Diskussion immer wieder zurück auf die Thesen lenkte. Abschließend möchte ich aber festhalten, dass in der Session konstruktiv Argumente ausgetauscht wurden. Lösungen konnten natürlich keine gefunden werden, aber ich bin der Auffassung, dass diese Texte wichtig für die Urheberrechtsdebatte bleiben. Für meine erste Session, die ich auch einem Barcamp gehalten habe, bin ich mit dem Verlauf zufrieden.

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5 Antworten zu Dokumentation meiner Session auf dem Futuremusiccamp 2012

  1. woweezowee schreibt:

    Danke für die ehrenvolle Erwähnung und Glückwunsch! Sehr spannend für eine erste Session. Du musst halt die Vorstellung der Grundthesen, auf die du dich beziehen willst, vehement straffen. Denn der Diskussionsbedarf ist ja da. Grüße, Markus (Backstage PRO)

    • Philip Stade schreibt:

      Da hast du vollkommen recht, hätte mich auf weniger Thesen konzentrieren müssen. Aber vielen Dank fürs mitdiskutieren. Leider konnte ich mich nicht an mehr Beiträge von dir erinnern. Wenn du Lust hast, kannst du ja noch mal kurz deine wichtigsten Grundthesen hier aufschreiben. Grüße!

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