Die 14-Jahre-Post-Napster-Frage: Wie böse ist Filesharing?

Napster wurde 1998 von Shawn Fanning programmiert und 14 Jahre danach steht weiterhin die Frage im Raum: Wie böse ist Filesharing? Auf dem empfehlenswerten Blog Musikwirtschaftsforschung hat Prof. Dr. Peter Tschmuck mit seinem Artikel Wie böse ist das Filesharing? Neue Erkenntnisse die am 7. Mai 2012 veröffentlichte Studie „Profit Leak? Pre-Release File Sharing and the Music Industry“ von Robert G. Hammond, Professor an der North Carolina University, kommentiert:

„Darin kommt Hammond zum Ergebnis, dass der digitale und physische Albenverkauf keineswegs unter den durchgesickerten (“geleakten”) Veröffentlichungen leidet, sondern sogar profitiert.“ „Interessant dabei ist, dass populäre, gut etablierte KünstlerInnen stärker vom Filesharing Pre-Release profitieren als weniger gut etablierte und junge Acts.“

Auch ich habe bereits mehrere Male auf diesem Blog darauf hingewiesen, dass die einseitige Sicht weiter Teile der Musikindustrie und einiger weiterer Akteure auf Filesharing als Grund für Umsatzeinbußen kritisch betrachtet werden sollte. Da die Effekte von Filesharing auf den physischen Verkauf und legalen Download-Verkauf komplex und vielseitig sind und statistische Nachweise die verbreitete „Böses-Filesharing“-These nie belegen konnten, ist es meiner Ansicht nach wichtig, auf Studien aufmerksam zu machen, die Filesharing untersuchen und u.a. zu den oben zitierten Ergebnissen kommen. Auf die Studie von Oberholzer-Gee und Strumpf Filesharing and Copyright habe ich in meinem Artikel Es tut sich was! Freie Kultur im aktuellen Musikforum? und dem anschließenden Dialog mit Gerald Mertens bereits verwiesen. Diese Studie untersucht Tschmuck in seinem Beitrag  Wie böse ist das File-Sharing? – Teil 3. Tschmuck nennt in seinem Artikel Wie böse ist das Filesharing? Neue Erkenntnisse weitere Studien, die sich mit der Thematik beschäftigen. Er fasst deren Einschätzungen folgendermaßen zusammen:

„(…) Demnach gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Filesharing sich negativ auf reguläre Musikverkäufe auswirkt.“

Das klingt ziemlich eindeutig, aber an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass ich selbst Statistik-Laie bin und die Studien deshalb nicht selbst kritisch untersuchen kann. Tschmuck gilt aber u.a. als Experte in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft und u.a. deshalb halte ich seine Schlüsse für folgerichtig. Wie aussagekräftig und genau die Studien über die Effekte von Filesharing überhaupt werden können, muss die Zukunft zeigen, aber die einseitigen Sichtweisen auf das „böse Filesharing“ und die vielerorts geforderte „Eindämmung des illegalen Filesharings“ sind schon heute aufgrund dieser Studien nicht haltbar. Dass Digitalisierung und Filesharing Effekte auf Musikverkäufe haben, ist dabei wohl allen Beteiligten klar, aber wie diese Effekte genau aussehen, wird aktuell weiterhin kontrovers diskutiert und untersucht.

Derweil geht der Kampf gegen Filesharing-Anbieter wie Napster & Co. aber munter weiter. Wie Filesharing vom Bundesverband Musikindustrie betrachtet wird, kann man hier nachlesen und korrekterweise weist der BVMI in der Stellungnahme darauf hin, dass Filesharing nach geltendem Urheberrecht in vielen Fällen zurecht als illegal angesehen werden kann. Darauf fußt ja auch das Geschäft zahlreicher Anwaltskanzleien mit deren Abmahnungen. Hier sollte aber meiner Meinung nach darüber diskutiert werden, ob die Einschränkung, Legalisierung oder die Kriminalisierung von Filesharing in einem im Zuge der Digitalisierung angepassten zukunftsfähigen Urheberrecht als sinnvoll erachtet werden. Die Fragen die sich mir stellen, lauten u.a.: Wie weit soll digitales Kopieren kontrolliert und reglementiert werden? Welche sinnvollen urheberrechtlichen Antworten auf die Digitalisierung und das Entstehen von Filesharing und Streaming gibt es? Kann und soll man Filesharing im globalen Internet überhaupt noch technisch und rechtlich verbieten? Die hier beschriebenen Studien sehe ich als Teil dieser Diskussion an, um vermeintliche Auswirkungen von Filesharing genauer zu untersuchen.

+++Update: Lesenswerter Artikel über den Sinn und Unsinn von Filesharing-Studien+++

Dieser Beitrag wurde unter Digitalisierung, Filesharing, Musik, Urheberrecht, Wissenschaft abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Die 14-Jahre-Post-Napster-Frage: Wie böse ist Filesharing?

  1. Pingback: Musik & Bildung: Interview mit mir zum Thema Urheberrecht und Musikpädagogik | Freie Kultur und Musik

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s