Erster Tag der C’n’B Convention 2012: Zusammenfassung zum Urheberrecht

C’n’B-Vormittag

Natürlich war das Thema Urheberrecht auch am ersten Tag der C’n’B Convention 2012 in Köln ein großes Thema. Vormittags gab es in dem Panel „Urheberrecht am Abgrund“ sehr interessante Input-Statements von Dirk von Gehlen und Prof. Dr. Karl-Nikolaus Peifer. Von Gehlen erläuterte seine Ideen aus seinem Buch Mashup – Lob der Kopie und befürchtete bei der „Illegale-Fans“-Generation einen grundlegenden Akzeptanzverlust des Urheberrechts. Bermerkenswert fand er, dass sogar die CDU/CSU-Fraktion mittlerweile transformative Werknutzungen stärken möchte. Prof. Peifer, bei dem ich dieses Semester eine Urheberrechsvorlesung besuche, beschrieb die grundlegende Idee des Urheberrechts als Schloss. Das Urheberrecht werde heute als vollständige Kontrolle verstanden, bei der es für jede Nutzung Vergütung geben solle und der Zugang zum Schloss nur wenigen Mächtigen möglich sei. Weiter führte Peifer aus: „Wir müssen das Urheberrecht erhalten, denn es ist eine historische Errgungenschaft.“ Künstler seien durch das Urheberrecht von Mäzenen berfreit worden, aber in Zukunft sei „Weg von der Kontrolle – Hin zu Partizipation und Sharen“ für das Urheberrecht von zentraler Bedeutung, was nicht automatisch bedeute, dass man umsonst sharen könne. Creative Commons und Open Access funktioniere z.B. in der Wissenschaft gut, was das Sharing aber schlecht was die Vergütung angehe. Hier sieht er modernisierte Verwertungsgesellschaften in einer neuen Rolle, um die es im später stattfindenden sog. Urheberrechtsparlament noch einmal verstärkt ging. Peifer rief dazu auf, die Idee des Schlosses der Kontrolle fallen zu lassen.

Die anschließende Diskussionrunde im Panel „Vom Rechte haben und Recht haben“, ausschließlich mit weiblichen Teilnehmerinnen besetzt, verlief meiner Meinung nach wie so viele Urheberrechtsdiskussionen ziemlich schwach. Unter der Moderation von Mercedes Bunz regte sich Julia Beerhold heftig über „katastrophale Arbeitsbedingungen“ („Wir werden ausgetrocknet!“) auf. Sie forderte ein neues Bewusstsein von allen gegen „Geiz ist geil“ und Turbokapitalismus. Eva Kiltz fragte sich, wie man Kopieren monetarisieren könne und wo das Geld her kommen kann. Es sei zu wenig Geld im System, weshalb Angebote und ein neues Bewusstsein geschaffen werden müssten. Geraldine Debastion von der Digitalen Gesellschaft e.V. konnte wenig konstruktives aus Sicht der Konsumenten zur Diskussion beitragen. Zum Publikum geöffnet stellte sich die übergeordnete Frage, wo das Geld im System ist bzw. ob es überhaupt im System ist. Google wurde angeklagt während jemand von der Telekom progonstizierte: „Alles wird gut!“ Die Geschäftsmodelle der Zukunft würden bereits heute zwischen Playern wie BITKOM, Spotify, Google und Verwertungsgesellschaften ausgehandelt und würden bald greifen. Für kurze Aufregung sorgte noch die Frage nach Effekten von Filesharing und die dazugehörenden verschiedenen Studien, u.a. von Prof. Schwartmann. Lesenswert finde ich in diesem Zusammenhang diesen Hyperland-Artikel, kann von Gehlens Aussage gerade aber noch nicht verifizieren.

C’n’B-Nachmittag

Nach Mittag ging es weiter mit dem sog. Urheberrechtsparlament, dessen Verlauf deutlich strukturierter war und dessen Diskussion einige wichtige Aspekte klärte. Trotzdem stellten sich mir am Ende natürlich wieder viele Fragen. Das erste Input-Referat kam dieses Mal von Stefan Herwig, der mit einer Auffächerung verschiedener Lizenzierungen von Public Domain, Creative Commons, Creative Commerce (von ihm entwickelte Zwischenform zwischen CC und Copyright u.a. für nicht-kommerzielle Bearbeitung und Sampling), Copyright hin zu Sperren zeigte, dass die Entscheidung darüber, welchen Weg Urheber einschlagen wollen, beim ihm selbst bleiben müsse. Danach stellte Wolfgang Senges das Projekt C3S, der Cultural Commons Collecting Society, vor, die sich weiterhin im Aufbau befindet. Eine Zusammenfassung darüber habe ich bereits hier veröffentlicht.

In der anschließenden Diskussionsrunde, an der neben Moderatorin Mercedes Bunz John Weitzmann von Creative Commons Deutschland und Alexander Wolf von der GEMA sowie Dirk von Gehlen und Prof. Dr. Peifer teilnahmen, kristallisierten sich die Themen „GEMA – C3S“, Verschärfung des Urheberrechts, Auffächerung der Diskussion sowie die Rolle der Konsumenten als zentrale Diskussionpunkte heraus.

Alexander Wolf von der GEMA fragte sich in Bezug auf C3S: „Haben wir was falsch gemacht? Können wir uns stärker flexibilisieren?“ Er präsentierte die GEMA als offen und lernbereit. Als Perspektive für Verwertungsgesellschaften forderte er aufgeklärte und emanzipierte Urheber, die ihre Organe weiterentwickeln sollen. Peifer hielt das Nebeneinanderbestehen von C3S und GEMA für den „Königsweg“ und betonte die wichtige Rolle, die Verwertungsgesellschaften für die kollektive Wahrnehmung von Rechten und Vergütungsansprüchen im digitalen Zeitalter (weiterhin) übernehmen werden. Wenn die nächsten Schritte von Senges und der C3S getan sind, wird sich meiner Meinung nach zeigen, was das für Veränderungen mit sich bringt und ob die GEMA, bei der weiterhin die GEMA-Mitglieder selbst bestimmen, wie ein Zuschauer betonte, sich weiterhin so gesprächsbereit zeigt.

Als weiteren Punkt betonten von Gehlen und Peifer, dass das Urheberrecht in den letzten Jahrzehnten beständig verschärft wurde, während die Rechtsdurchsetzung nicht mehr greife bzw. immer teurer und abschreckender werde. Peifer fragte, ob sich das lohnt, zumal es wie von Gehlen betonte, immer Möglichkeiten gebe, die Verbote und damit die Abmahnungen zu umgehen.

Weiterer Themenschwerpunkt war die Frage der nötigen Ausdifferenzierung von Lizenzen. Während Herwig wie oben beschrieben eine größere Vielfalt für nötig erklärte hielt Weitzmann mit 10 Jahren Creative Commons-Erfahrung eine zu große Auswahl an Lizenzen aufgrund der zu großen Komplexität für bedenklich. Weitzmann betonte gegenüber Wolf, dass junge Künstler ihre Rechte bei CC nicht verschenken würden. Darüber hinaus hielt er eine Abgrenzung von CC zu C3S für wichtig. Gründungsimpuls für Creative Commons sei es gewesen, diejenigen, die nichts verdienen wollen, zu bedienen. Im Laufe der Jahre habe sich aber u.a. mit den NC-Lizenzen die Möglichkeit für kommerzielle Interessen innerhalb von CC und damit die Gründung von C3S ergeben, die eine wichtige Ausdifferenzierung von Lizenzen ermögliche. C3S sei aber kein Projekt von Creative Commons.

Als letzten Überpunkt wurde über die Nutzerfreundlichkeit diskutiert. Herwig sprach für die Konsumenten: „Wir wollen gerne wissen, was wir machen dürfen.“ Von Gehlen betonte die Realität des Akzeptanzverlusts des Urheberrechts bei jüngeren Generationen, die das Urheberrecht schneller abschaffen könne, als irgendeine Partei. Aus juristischer Sicht betonte Prof. Peifer, dass wir uns eine Illusion aus dem Kopf schlagen müssten: „Wir können ein gerechtes Urheberrecht nicht einfach gestalten. Einfach heißt nicht gerecht.“ Er freue sich aber über die Diskussion und halte die Creative Commons-Logos, für einen sehr wichtigen Beitrag zur erhöhten Nutzerfreundlichkeit des Urheberrechts, weil sie komplexe Zusammenhänge einfach und verständlich darstellten. Herwig forderte abschließend, dass wir eine Nutzerebene ins Urheberrecht einziehen müssten.

Insgesamt verlief der Urheberrechtsnachmittag meiner Ansicht nach also deutlich interessanter und strukturierter als die Diskussion am Vormittag. Mal sehen was Tag 2 bringt…

+++Update: Marco Trovatello hat auch schon seine Zusammenfassung gebloggt ++++

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