Neue Schlagzeilen zur neuen DCN-Studie 2012

Großes Fragezeichen für die Musikindustrie: Warum glauben 30 % der Bevölkerung nicht, dass man mit kostenpflichtigen Internetdiensten die Künstler und Urheber unterstützt?

Weniger als gedacht: Nur 4,9 % der Befragten sind ab und zu (!) illegale Downloader. Das sind 19 % vom Bevölkerungsanteil, der generell Medien herunterlädt („Mediendownloader“), während nur 3,6 %  der Mediendownloader (hochgerechnet 586.800 repräsentativ ermittelte Menschen) ausschließlich illegal laden. Von den 4,9 %  Gelegenheits-Illegalen ist im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Anteil derjenigen, die der Auffassung sind, dass der Vorteil an kostenpflichtigen Internetdiensten sei, Künstler und Urheber zu unterstützen, nur um 15 % niedriger (55% zu 70%).

Erfolg durch den Ausbau der perfekten Angebote und flankierender Abmahnungen: „Weit mehr als Zweidrittel der Bevölkerung halten das legale Online-Angebot für ausreichend“ und im Musik-Bereich halten 59 % das Angebot für sie selbst für perfekt. Durch die Einführung von Streaming-Diensten wie Spotify („Die Brücke zum legalen Konsum“ (Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI)) dürften sich diese Werte im Jahr 2012 noch verbessern.

Nicht erwähnenswert: 78 % der Bevölkerung glauben, dass Privatkopien für Freunde nicht erlaubt sind.

Mehrheit will Warnhinweismodelle und Bußgelder – besonders die Illegalen selbst möchten gewarnt werden und zahlen: Fast drei Viertel der Bevölkerung halten einen Warnhinweis des Providers vor rechtlichen Sanktionen für sinnvoll und sogar 70 % der illegalen Downloader Gesamtbevölkerung glauben an die Wirksamkeit von Warnhinweisen. 2/3 der Downloader von illegalen Plattformen finden die Verhängung eines Bußgeldes für Personen, die anbieten, angemessen. Der Bundesverband Musikindustrie erwägt deshalb ein Referendum dazu durchzuführen.

Jugendliche verstehen das Urheberrecht nicht mehr: „Junge Menschen halten deutlich mehr Handlungen für rechtlich erlaubt“ als die restliche urheberrechtsnähere Bevölkerung.

Offiziell vom Neutral-Befragen-Institut bestätigt: Fragender: „Haben Sie davon gehört, dass das Herunterladen oder Anbieten von urheberrechtlich geschützten Medieninhalten im Internet erhebliche rechtliche Schritte nach sich ziehen kann?“ Befragter: „Äh, (bibber bibber) jjjja?“ Die Herausgeber der Studie erzielen mit dieser Fragestellung bei 81% der Befragten ein „Ja“.

Ziel der Abmahnkanzlei Rasch, „Jeder soll jemanden kennen, der jemanden kennt, den es erwischt hat, rückt in greifbare Nähe: 14 % der Bevölkerung kennen jemanden, der wegen Urheberrechtsverletzungen belangt wurde.

PS: Ich habe mir hier mal den Spaß erlaubt, einige fiktive Schlagzeilen zur aktuell erschienenen „Studie zur digitalen Content-Nutzung (DCN-Studie) 2012“ zu erstellen – die Prozentzahlen lassen sich alle in der Studie finden, aber die Original-Überschriften in der Studie sehen natürlich anders aus. Mit diesem ironischen Beitrag möchte ich die scheinbare Objektivität der DCN-Studien vom Bundesverband Musikindustrie e.V., der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. in Frage stellen.

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2 Antworten zu Neue Schlagzeilen zur neuen DCN-Studie 2012

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