Kulturfledderer mit Kulturrat am Urheberrechtstatort gesehen!

© Syndikat / Armin Zedler

Nach Dieben (Wir sind die Urheber! Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums), Raubkopierern (Raubkopierer sind Verbrecher) und Musikkillern (Copy kills music) ist der Urheberrechtskrimi um einen neuen Verdächtigen reicher geworden:

Der Kulturfledderer.

Das schmucke Plakat der Autorengruppe SYNDIKAT, Initiatoren der Initiative Ja zum Urheberrecht, liegt der aktuellen Ausgabe von Politik & Kultur des Deutschen Kulturrats bei. Dessen Geschäftführer Olaf Zimmermann äußerte sich dazu gestern folgendermaßen: „Das der Zeitung beiliegende Plakat „Kulturfledderer“ der Autorengruppe Syndikat ist ein künstlerischer, unter die Haut gehender Beitrag zur Diskussion.“ Das ist sehr widersprüchlich, da er doch vor kurzem sogar den Begriff „Kulturinfarkt“ als Unwort des Jahres vorgeschlagen hatte, „weil der Begriff sachlich vollkommen unangemessen ist.“ Inwiefern die provokante Darstellung eines Guy-Fawkes-Mediziners, der Leichen von Krimiautoren ausweidet (Fleddern“ = Leichen oder Menschen ausplündern, die nicht verteidigungsfähig sind), die bereits tot sind, ein sinnvoller künstlerischer Beitrag zur Debatte sein soll bleibt absolut unklar. Ist Kultur schon tot? Wieso die drastische Anspielung auf die Leichenfledderei? Warum machen sich wieder Urheber mit unpassenden Kriminal-Vergleichen lächerlich? Der bedrohliche Trailer zur Plakataktion mit dem Slogan „Ausziehen für’s Urheberrecht!“ setzt dem ganzen noch die Krone auf.

Dass die Piratenpartei NRW eine Rücknahme der Plakataktion fordert, ist natürlich auch nicht die richtige Reaktion. Natürlich soll Politik & Kultur verschiedene Meinungen der Kulturpolitik diskutieren und so findet sich in der aktuellen Ausgabe z.B. auch ein kleiner Artikel von Bruno Kramm, dem Beauftragten für Urheberrecht der Piratenpartei. Aber dass der Deutsche Kulturrat, wohlgemerkt ein gemeinnütziger Verein, der trotzdem für seine intensive und meiner Einschätzung nach sehr einseitige Lobbyarbeit bekannt ist (siehe u.a. meine Artikel Platzhirschgehabe und Aktionstag „Wert der Kreativität), die Verbreitung solcher Plakataktionen fördert und darin einen sinnvollen Beitrag zum „angemessenen urheberrechtlichen Schutz für Künstler und die gesamte Kulturwirtschaftsbranche„(Olaf Zimmermann) sieht, ist absolut unverständlich. Doch alles nicht so wild, denn die Aktion geht natürlich wieder komplett nach hinten los, wie zahlreiche Reaktionen in der Blogosphäre es zeigen. So kommentiert Udo Vetter das Plakat treffender auf dem lawblog.

Ich guck mir lieber Chilly Gonzales‘ gestriges hervorragendes Konzert auf ARTE an, der die Dur-Melodien der konservativen „right-wing indoctrination“ urheberrechtlich relevant in Moll bearbeitet und damit einen sinnvolleren Beitrag zur Urheberrechtsdebatte liefert.

Aufnahme aus „Salons de Musique: Chilly Gonzales lädt Vincent Ségal in den Palais de Tokyo“ bei ARTEliveWeb: http://liveweb.arte.tv/de/video/Salons_de_Musique_Chilly_Gonzales_Vincent_Segal_Palais_de_Tokyo/

Dieser Beitrag wurde unter Bildung, Digitalisierung, Kultur, Kulturpolitik, Urheberrecht abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s