Informations- und Unterrichtsmaterialien zum Urheberrecht für Schüler, Eltern und Lehrer

Wie sieht es eigentlich mit Unterrichtsmaterialien aus, die Schüler, Eltern und Lehrer im komplexen Themengebiet des Urheberrechts an die Hand nehmen und ihnen wichtige Grundlagen vermitteln? Hier habe ich einige Links zu aktuellen herunterladbaren Veröffentlichungen in dem Bereich mit meinen Einschätzungen dazu zusammengestellt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Musikunterricht:

Quelle: klicksafe (www.klicksafe.de) CC-Lizenz by-nc-sa

Klicksafe.de / iRights.info : „Nicht alles, was geht, ist auch erlaubt – Downloaden, tauschen, online stellen – Urheberrecht im Alltag. Zusatzmodul zu Knowhow für junge User. Materialien für den Unterricht“ (CC-Lizenz by-nc-sa): Zunächst wird das Urheberrecht ganz grundlegend erklärt sowie Hilfestellungen bei Abmahnungen gegeben. Downloads würden von Rechteinhabern bislang praktisch nicht verfolgt und sind auch, solange die Quelle nicht offensichtlich rechtswidrig ist, im Rahmen der Privatkopie zulässig. Problematisch sei der Upload von Dateien in Tauschbörsen sowie die öffentliche Zugänglichmachung von urheberrechtlich geschützten Werken oder Ausschnitten. An einer Vielzahl von Situationen wird erläutert, was erlaubt und was unzulässig bzw. unsicher ist. In einem weiteren Teil wird kurz ausgeführt, welche Bereiche des Urheberrechts wichtig für den Unterricht selbst sind. Ergänzt wird das ganze dann noch durch Unterrichtsmaterialien, die die zuvor beschriebenen Fälle für Schüler aufbereiten. Insgesamt ist die Broschüre sehr aus der Sicht der Nutzer geschrieben und damit sehr sinnvoll für Lehrer und Schüler, die als Nutzer mit dem Urheberrecht in Kontakt kommen und wissen möchten, was erlaubt ist und was nicht.

Quelle: LAG Lokale Medienarbeit NRW e.V. (Herausgeber), Marco Medkour (Autor), Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen und Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (Förderer) – CC-Lizenz: by-nc-nd

Klicksafe.de / LAG Lokale Medienarbeit NRW: „Freie Musik im Internet“  (CC-Lizenz by-nc-nd): Dieser Leitfaden möchte über die Nutzung von „GEMA-freier“ Musik für medien- und musikpädagogische Projekte informieren. Der Fokus liegt dabei auf der Creative- Commons-Musikszene und dementsprechend ist die Broschüre gefüllt mit Links zu Blogs und CC-Musikportalen. Die LAG Lokale Medienarbeit NRW begründet die Notwendigkeit für die Zusammenstellung folgendermaßen: „Pädagogen und Betreuer stehen vor der Entscheidung: den Großteil der finanziellen und zeitlichen Ressourcen für die Lizenzierung von GEMA/GVL-Musik auszugeben und damit keinen Cent mehr für die eigentliche Realisierung des Medienprojektes zu haben. Oder die Kreativität der Teilnehmenden erfolgreich zu fördern und deshalb kostenfreie Creative-Commons-Musik aus dem Internet einzusetzen.“ (S. 15)

Bundesverband Musikindustrie e.V., HfMTM Hannover, Verband deutscher Schulmusiker: „Play Fair – Respect Music“: Mit diesem großen Projekt habe ich mich bereits vor einiger Zeit ausführlich kritisch auseinandergesetzt. Die Perspektive ist hier eine ganz andere als bei den beiden ersten Materialien. Zwar wird hier auch zunächst darüber aufgeklärt, was im Bereich Musik erlaubt ist und was nicht, aber die daraufaufbauende Haltung gegenüber den Nutzern halte ich für sehr kritikwürdig. „Rechtliche und moralische Überlegungen“ bei Jugendlichen würden fehlen, Blogs wird die „vollkommene Abwesenheit eines Rechts- bzw. Unrechtsbewusstseins“ attestiert, ständig ist die Rede vom berüchtigten „Diebstahls geistigen Eigentums“ plus „Copy Kills Music“ und natürlich darf auch nicht der Vergleich von Download und Ladendiebstahl fehlen. An vielen Stellen halte ich diesen Umgang mit der Thematik für sehr unangebracht, pädagogisch unsinnvoll – Die Lobbyarbeit der Musikindustrie ist eben doch sehr leicht erkennbar. Dazu kommt, dass auch nach mehreren Anfragen meinerseits seit 2009 kein Fortschritt in dem Forschungsprojekt abzusehen ist.

Bundesverband Musikindustrie e.V.: „Legal, sicher und fair: Nutzung von Musik, Filmen, Serien und Büchern aus dem Internet – Ein Leitfaden für Eltern und Lehrer“: Diesen Leitfaden halte ich generell für deutlich gelungener und er distanziert sich ein Stück weit von dem „Raubkopierer sind Verbrecher“-Zeigefinger. Er beantwortet viele Fragen zu der Thematik relativ neutral. Gewarnt wird vor gravierenden Strafen“ und Eltern wird das aktivieren einer Kindersicherung empfohlen. Natürlich verweist der Leitfaden, der derzeit u.a. an Musiklehrer in Deutschland verschickt wird, dann aber doch auf die „einseitigen Seiten“ www.respectcopyrights.de und das oben beschriebene Projkekt Play Fair – Respect Music. Sehr bemerkenswert finde ich allerdings einen Abschnitt auf Seite 17 in dem Heft. Dort heißt es: „Wenn Sie sicherstellen möchten, dass Sie legale Musik für Unterrichtszwecke verwenden, können Sie sich anhand der Broschüre „Freie Musik im Internet“ der Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW orientieren, die z.B. auf www.klicksafe.de heruntergeladen werden kann.“ Das Nutzen von urheberrechtlich geschützten Werken im Unterricht sei, so wird hier der Eindruck von der Musikindustrie geweckt, in vielen Fällen nicht sicher. Der Verweis auf die oben beschriebene Broschüre „Freie Musik im Internet“ weist also daraufhin, vor welche Probleme das Urheberrecht den Unterricht trotz der Bildungsschranken stellt. CC-Musik scheint in vielen Fällen die einzige sichere, einfache und damit pädagogisch praktikable Nutzungsmöglichkeit zu sein. Ob das absichtlich im Sinne des Bundesverbands Musikindustrie e.V. ist?

Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien: „Urheberrecht in der Schule“: Sehr ausführlich wird auf diesem Onlineangebot auf die verschiedenen Problematiken und Fragen bezüglihc des Urheberrechts in der Schule eingegangen und Grundwissen zum Urheberrecht vermittelt.

Schulen ans Netz e.V.: Urheberrecht – Eine Einführung für die pädagogische Mediennutzung: Sehr verständlich beschreibt diese Broschüre wie das Urheberrecht zwischen „lästiger Einschränkung“ und Werten den Bereich Schule berührt.

Fazit:

Mittlerweile existiert eine Vielzahl von Informations- und Unterrichtsmaterialien, die erkennen, dass das Thema Urheberrecht für Schüler, Eltern und Lehrer von zunehmender Bedeutung ist und es einer Übersetzung der komplexen Thematik für die Nutzer bedarf. In welche Richtung diese jeweils argumentieren habe ich versucht aufzuzeigen. Auffällig ist, dass fast alle Broschüren außer „Play Fair – Respect Music“ die Bedeutung von Creative Commons für den Unterricht herausstellen, was auch ein Hinweis in Richtung Open Educational Ressources (OER) verstanden werden kann, die das pädagogisch sinnvolle Arbeiten mit digitalen Medien ermöglichen. Ich glaube es wird Zeit, dass ich bei Gelegenheit auch selbst mal einige Unterrichtsmaterialien entwerfe. Einige Ideen für den Musikunterricht und die grundlegende Haltung für MusiklehrerInnen hatte ich ja bereits vor einiger Zeit formuliert.

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