Die diffuse GEMA steht wieder am Pranger

In einem Gespräch mit einer Bekannten ist mir mal wieder klar geworden, wie schwierig es für Jugendliche im Regelfall sein dürfte, herauszukristallisieren, was die GEMA ist und was sie möchte. Die Bekannte hatte im Schulunterricht ein GEMA-Rollenspiel mit den Schülern durchgeführt, wobei deutlich wurde, dass die GEMA bei Jugendlichen hauptsächlich ein diffuser Begriff ist, der durch zahlreiche eher negative Konnotationen begleitet wird.

Ähnliches lässt sich in der neu gegründeten Facebook-Gruppe „1.000.000 Menschen gegen die GEMA“ beobachten. Ziel dieser Seite ist es, den Protest gegen die zum 1.4.2013 geplanten neuen Vergütungssätze für DJs der GEMA möglichst wirksam zu präsentieren. Ein Zeichen soll gesetzt werden. Nun kann man sich ausführlich mit dem neuen Tarif auseinander setzen und es gibt zahlreiche ungeklärte Fragen, die z.B. De-bug an die GEMA gestellt hat. Nico Ernst fasst den Fall übersichtlich zusammen. Jörg Augsburg spricht von einem „schwachsinnigen Konstrukt.“

Dieser neue Konflikt spiegelt sehr schön wieder, vor welche Probleme die Digitalisierung das Urheberrecht stellt. Die Begründungen der GEMA, die versucht zwischen „Verschieben“ und „Kopieren“ oder „Sicherungskopien“ und „Originalen“ zu unterscheiden, veranschaulichen das deutlich. Wenn Musik eine digitale Datei ist – wie soll urheberrechtlich damit umgegangen werden? Wie weit soll das digitale Kopieren kontrolliert werden? Es geht letztlich um für die öffentliche Darbietung getätigte Vervielfältigungen nach § 16 UrhG, für die die DJs nun 0,13 EUR pro Kopie pro Jahr zahlen sollen, was ganz schön teuer werden kann. Die GEMA versucht hier das, was das Urheberrecht vorgibt, umzusetzen. Nun muss man darüber streiten, ob sie das geschickt und gerecht macht oder warum nach den verschobenen Tarif-Änderungen für Discotheken die DJs schon wieder gemeinsam protestieren wollen.

Mich interessiert an dieser Stelle hauptsächlich, warum die GEMA anscheinend am laufenden Band Eigentore schießt, obwohl sie eigentlich für einen – und da sind sich die meisten Menschen einig – guten Zweck existiert. Sie sollte nämlich dafür sorgen, dass Komponisten und Textdichter ihren gerechten Anteil an der digitalen Wertschöpfung erhalten. Im digitalen Zeitalter würden solche kollektiven Rechtewahrnehmungen zunehmend wichtiger, behauptet z.B. Prof. Peifer von der Universität zu Köln. Allerdings würde er auch eine Vielzahl an spezialisierten Verwertungsgesellschaften begrüßen, wie sie z.B. durch die C3S entstehen könnte. Mir stellen sich viele Fragen:

Ist die GEMA nur am Pranger, weil sich unsere Gesellschaft noch nicht einig darüber ist, ob oder wie das Urheberrecht im 21. Jahrhundert reformiert werden muss? Wie wollen wir in Zukunft mit Urheberrechten und deren kollektiven Wahrnehmung umgehen? Zwingt das derzeitige Urheberrecht die GEMA zu den nicht sinnvollen Handlungen? Wer soll wie viel zahlen? Werden sich immer mehr Interessengruppen dagegen wehren, Lizenzen zu zahlen? Es gibt viele Dinge, die man der GEMA vorwerfen kann, und im GEMAdialog kann man jeden Tag davon lesen. Zur Zeit scheint für viele Menschen gar die Abschaffung der GEMA der einzige Ausweg aus dem Dilemma zu sein. Aber wäre das wirklich eine Alternative? Alle, die sich für eine kollektive Rechtewahrnehmung aussprechen, sollten sich im Grundgedanken für die Existenz von Verwertungsgesellschaften und ihr Eintreten für Künstler einsetzen. Doch mangelhafte PR und problematische Entscheidungen der GEMA im Zusammenspiel mit gekonnter PR beispielweise seitens YouTube haben für ein anderes Bild in der Öffentlichkeit gesorgt. Was die GEMA eigentlich macht, tritt dabei oft genug immer weiter in den Hintergrund. Die diffuse GEMA steht immer wieder am Pranger und das Diffuse macht sie angreifbar: „GEMA kacken“ oder „Dann leg ich nur noch mit Vinyl auf“ sind die Reaktionen der DJs. Es ist viel Sprengstoff in der Debatte  – und wir befinden uns erst am Anfang.

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