Der BGH und das Sample (ein Liebesbrief als „Metall auf Metall II“-Remix)

Mein geliebter Tonfetzen,

obwohl „die Verwendung von Samples in der Musikbranche mittlerweile weit verbreitet ist und sich die entlehnende Bezugnahme zu einer eigenen Stilrichtung entwickelt hat“ frage ich mich, ob ein „gleichwertiger Nachbau“ von dir „möglich“ ist? Ich meine einen „Nachbau aus der Sicht des Musikproduzenten von seinen Abnehmern – hier also den Käufern eines Tonträgers aus dem Genre „Hip-Hop““ – also damit „einigermaßen vertrauten und hierfür aufgeschlossenen Hörers“ – nein, nicht „Hoeren“ – „einen aufmerksamen und aufgeschlossenen Hörer“,„der mit musikalischen Fragen „im musikalischen Zusammenhang“ einigermaßen vertraut“ ist. Denkst du, das ist möglich? Aber bedenke: „Eine – im naturwissenschaftlichen Sinne – vollständige Identität des Nachbaus mit dem Original sei nicht erforderlich.“

Gib deshalb immer „Gutacht“ bei den „durchschnittlich ausgestatteten Musikproduzenten“ und deren „fremden Tonaufnahme“, denn eventuelle „Unsicherheit bei der Beurteilung […] ist hinzunehmen“! Du kannst besser „von einer Übernahme ganz absehen“, denn „Sinn und Zweck des § 24 Abs. 1 UrhG ist es, Freiraum für eine schöpferische Auseinandersetzung mit bestehenden Werken zu schaffen“. „Die Fortentwicklung des Kunstschaffens kann durch die Ausübung des Tonträgerherstellerrechts daher nur behindert werden, wenn eine Reproduktion der Tonaufnahme aus tatsächlichen Gründen nicht möglich ist“, verstehst du? „An dieser Einschränkung des Rechts zur freien Benutzung eines fremden Tonträgers hält der Senat trotz der von der Revision und im Schrifttum geäußerten Bedenken fest (kritisch Schack, JZ 2009, 475, 476 f.; Stieper, ZUM 2009, 223, 225; Hoeren, MMR 2009, 257, 258; Lindhorst, GRUR 2009, 406, 409; Röhl, K&R 2009, 172, 174 f.; ders., K&R 2011, 660 f.; Oebbecke, Der „Schutzgegenstand“ der verwandten Schutzrechte, Diss. Köln 2011, S. 306 ff.).“ Die haben eh keinen Plan.

Also, geliebte „Tonfolge“, wenn du und deine „wirtschaftliche, organisatorische und technische Leistung“ in Gefahr seid, „berufe“ mich und ich werde dich „im Namen des Volkes“ vor den „Röhren, Stäben, Ketten, Hämmern, Metallflächen und Stahlblechen„schützen“. Ich sende dann unverzüglich „Tonträger“ nach dir aus, die dich zu mir „herleiten“, mein „Schutzgegenstand“! Dann bist du endlich wieder bei –

„Nur mir“.

Dein BGH

P.S. Entschuldigt diese Albernheit , auch wenn das Ganze eigentlich traurig ist – ich schreibe gerade meine Examensarbeit und brauchte mal Abwechslung; zum Glück wird seit heute auch das Recht auf Remix gefordert; alle verwendeten Zitate stammen aus der „Metall auf Metall II“-Begründung des BGHs; dazu auch Thomas Stadler , Bruno Gert Kramm oder mein Artikel.

Dieser Beitrag wurde unter Kopie, Kultur, Remix, Urheberrecht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s