Bezug zur Musik

In einer Freien Kultur gibt es, wenn ich mich auf Lessig beziehe, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kultur und Urheberrechten. Die Musikbranche ist dabei sehr stark von verschiedenen Positionen gegenüber dem Urheberrecht und der Legalisierung oder Kriminalisierung von digitalen Kopien durchzogen, die eine angeheizte Debatte mit sich bringt. Dabei ist die zentrale Beobachtung, dass das Internet und die technische Möglichkeit der digitalen Kopie und ihrer Verbreitung unsere Gesellschaft und den Umgang mit Kultur bereits grundlegend verändert haben und dadurch Konflikte mit dem Urheberrecht entstehen, die zuvor in dieser Form nicht oder kaum existierten.

Aktuelle Ereignisse wie die Sperrung eines der größsten FileHosters des WWW Megaupload.com , der Rückzug des Musik-Streaming Anbieters http://grooveshark.com/ sowie zahlreiche Sperrungen von Musikvideos mit urheberrechtlich geschützten Inhalten auf youtube.com auf Grund von Uneinigkeiten zwischen der GEMA und youtube zeigen  derzeitige Entwicklungen hinsichtlich Musik und Freiheit im Internet.

Stark verkürzt gibt es in der Musikbranche meiner Meinung nach folgende Positionen:

  1. Die Gesellschaft muss sich an das Urheberrecht anpassen. / Die Urheberrechte müssen ausgeweitet werden.
  2. Das Urheberrecht muss sich an die Gesellschaft anpassen. / Die Urheberrechte kontrollieren unsere Kultur zu stark.

1. Die Gesellschaft muss sich an das Urheberrecht anpassen. / Die Urheberrechte müssen ausgeweitet werden.

Auf dieser Seite stehen weite Teile der Politik, die Musikindustrie, die GEMA und viele Musiker und Komponisten, die die neuen Entwicklungen des Internets in erster Linie als Gefahr für die Musikkultur betrachten. Die Urheberrechte sollen gewahrt werden indem illegale Downloads verboten werden, sei es durch digitale Rechteverwaltung oder durch Strafen für Verstöße. Ziel ist es dabei, die Musik als „geistiges Eigentum“ (ein sehr komplexer Begriff) so zu schützen, dass Musiker und Plattenfirmen für die Schaffung von Kultur entlohnt werden. Da das Urherberrecht auch alle auf dem Original aufbauenden Bearbeitungen umfasst, wird von den Besitzern des Urheberrechtes zum Beispiel das „sample clearing“ eingefordert, was bedeutet, dass Musiker alle benutzten Samples in ihrer Musik kennzeichnen und die Rechte klären müssen, was diverse Folgen für die Veröffentlichung und kommerzielle Nutzung haben kann. Durch das Beitreten bei der Verwertungsgesellschaft GEMA können Komponisten und Musiker Rechte auch in Bezug auf öffentliche Darbietungen geltend machen. Für die Veranstalter von Musikkonzerten mit GEMA-Inhalten bedeutet das eine verpflichtende Geldabgabe an die GEMA, die dann wiederum ihr Geld basierend auf einem Punktesystem an die Urheber in der GEMA verteilt, was eine wichtige Einnahmequelle für viele Musiker darstellt.

Bei Verstößen gegen geltendes Gesetz werden sowohl Einzelpersonen als Musikkonsumenten als auch neue digitale Musikplattformen wie Napster und Co. von den großen Plattenfirmen regelmäßig verklagt. Entweder werden Einzelpersonen, die Content in sogenannten P2P-Netzwerken zum Download anbieten verklagt oder die Plattformen werden für die Zur-Verfügung-Stellung dieser Möglichkeit angeprangert. Ein Beispiel  hierfür sind Klagen der RIAA (Recording Industry Association of America) gegen mp3.com, napster und andere.

In diesen Rahmen sind auch Gesetztesänderungen wie der zurzeit stark diskutierte SOPA (Stop Online-Piracy Act) in den USA einzuordnen, der es Besitzern von Urheberrechten ermöglichen soll, Internet-Seiten, die vermeintlich urhebergeschützte Inhalte präsentieren oder auch nur verlinken, zu blockieren. An dem internetweiten Protest gegen solche Formen der Zensur durch Urheberrechtsbesitzer lässt sich die Brisanz des Themas sehr gut erkennen. So hat zum Beispiel die englischsprachige Wikipedia ihre Seiten am 18.1.2012, dem sogenannten Wikipedia Blackout, für 24 Stunden vom Netz genommen, um auf diese Gesetzesentwürfe aufmerksam zu machen und dagegen zu protestieren. Daraufhin wurde der SOPA und auch der PIPA (Protect IP Act) zunächst zurück gezogen, aber es wird garantiert weitere Versuche in diese Richtung geben. Genau auf diese Entwicklungen hat Lawrence Lessig schon in seinem Buch Free Culture hingewiesen (siehe Freie Kultur).

2. Das Urheberrecht muss sich an die Gesellschaft anpassen. / Die Urheberrechte kontrollieren unsere (digitale) Kultur zu stark.

„Die Urheberrechtsgesetze schützen nicht die Urheber, sondern ein überkommenes Geschäftsmodell“ (Quelle: FAZ) sagt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) und argumentiert damit ähnlich wie Lawrence Lessig (siehe Freie Kultur). Vielmehr fordern sie und andere Vertreter einer Freien Kultur, dass sich das Urheberrecht an die heutige Gesellschaft mit ihren durch die Digitalisierung neu entstandenen Kulturtechniken anpassen muss.

Die Möglichkeiten, die das Internet für Individuen schafft, sind vor den Auswüchsen des Urheberrechts zu schützen, weil sich aus ihnen ein enormes Potential für und an Kultur ergibt. So wird hier von einer Demokratisierung des Zugangs zu Kultur und einer von den Menschen mitgestalteten neuen Wissensgesellschaft mit Wikipedia, Blogs und youtube als Plattformen gesprochen. Partizipation an Kultur, so die Forderung, muss aber eine legale Basis haben und wenn Jugendliche auf file-sharing Plattformen Musikdateien austauschen ist dies nicht der Fall. Somit sieht sich der Musiker einer „offiziell“ illegalen Hörerschaft und der Musiklehrer einer „offiziell“ kriminellen Schülerschaft gegenüber, denn Kopieren ist Alltag.  Wie weit die Kriminalisierung sogenannter Raubkopierer geht, lässt sich unschwer an Kampagnen der Medienkonzerne erkennen.

Hier bietet Freie Kultur einen Ansatz an, der eine Anpassung des Urheberrechts an eine völlig neue Situation fordert, in der die Interessen der Urheber und der Gesellschaft in einer Balance stehen, die förderlich für eine demokratische und kreative Kultur ist und nicht von einseitigen Interessen der Medienkonzerne und der Politik zerstört wird.

Viele Musiker entscheiden sich bewusst für eine Lizensierung mithilfe der Creative Commons Lizenzen.

Eine Antwort zu Bezug zur Musik

  1. Musik ist etwas kreatives, und nicht etwas, was im Vorbeigehen, nebenher, läuft. Das haben Sie in Ihrem Blog gut thematisiert.

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