Freie Kultur

Was bedeutet Freie Kultur? Aufgrund der Komplexität und Vieldeutigkeit des Kulturbegriffes ist das gar keine leicht zu beantwortende Frage. Seit 1982 spricht die UNESCO vom erweiteren Kulturbegriff, demzufolge Kultur Kunst plus Lebensweise ist. Das bedeutet, dass ich mit Freier Kultur zum einen die freie Kunstszene (in Abgrenzung zur institutionellen Kunstszene), zum anderen aber auch die freie Entfaltung unterschiedlichster Lebensweisen anspreche. Deshalb spreche ich auf diesem Blog z.B. sogenannte Hochkultur ebenso wie populäre Kunst und Subkulturen, geförderte wie ungeförderte Kunst(vermittlung), alltägliche Mediennutzung wie den einmaligen Konzertbesuch an. Große Bedeutung hat für mich als Lehramtsstudent in diesem Zusammenhang auch der Begriff „Kulturelle Bildung„, der sich u.a. in dem Spannungsfeld von Bildungs-, Kultur und Jugendpolitik bewegt und immer stärker auf der politischen Agenda zu finden ist.

Wichtig ist mir zudem der Begriff der Transkulturalität. Von Wolfgang Welsch geprägt geht dieser Kulturbegriff nicht von ethnisch zentrierten Kugeln aus, wie es bei Herder und auch versteckt bei den Ansätzen Multi- und Interkulturalität der Fall ist, sondern beschreibt, dass Kulturen alle Menschen heute mühelos durchdringen und wir alle Teil von vielen Kulturen sind. Dabei ist das Erkennen des Fremden in uns von großer Bedeutung sowie die Akzeptanz von Verflechtung, Durchmischung und Gemeinsamkeit. Der Begriff „Hybride Kulturen“ geht in eine ähnliche Richtung (Bronfen et al.). Siehe dazu auch meinen Artikel Vom traditionellen Kulturbegriff zu Transkulturalität und hybriden Kulturen.

Als wäre damit das Bedeutungsfeld von Freier Kultur noch nicht weit genug aufgemacht, beziehe ich mich von Anfang an auf meinem Blog v.a. auf Lawrence Lessigs Begriff der Freien Kultur, den ich im Folgenden ausführlicher beschreiben möchte.

Der Begriff der Freien Kultur wurde am Anfang des 21. Jahrhunderts maßgeblich von dem Professor für Rechtswissenschaft Lawrence Lessig geprägt. In diversen Büchern und Prozessen hat er sich mit den Themen Urheberrecht und Freie Kultur auseinandergesetzt. Als einer der Begründer von Creative Commons und mit dem Slogan „Some rights reserved“ hat er eine gesellschaftliche Bewegung gefördert, die ihre Inhalte selbstbestimmt im Internet lizenzieren möchte und damit Urheberrechte einfordert. Freie Kultur steht also nicht für eine Aufgabe der Urheberrechte sondern für einen balancierten Umgang mit Rechten auf kulturelle Güter, die in dem Spannungsfeld zwischen kulturindustriellen Interessen, der finanziellen Vergütung der Künstler, der freien Verfügbarkeit von Inhalten für die Gesellschaft sowie des Wandels der Konsumenten in „Prosumenten“ im Rahmen der Remix-Kultur stehen. Eine Freie Kultur unterstützt und schützt somit Schaffende und Innovatoren durch die Einräumung limitierter Rechte. Dabei ist das Ziel, so frei wie möglich von der Kontrolle der Vergangenheit zu sein.

Im Folgenden werde ich versuchen, einige für diesen Blog zentrale Aussagen aus dem Buch „Free Culture“ von Lawrence Lessig zu erläutern. Hier erklärt er seine Ideen in einem Interview mit dem elektrischen Reporter:

Aussagekräftige Zitate aus „Free Culture“ (2004) von Lawrence Lessig:

„Um eine Mücke zu töten, sprühen wir DDT, was Konsequenzen für die freie Kultur nach sich zieht, die weit mehr zerstörerisch sind, als der Verlust der Mücke.“ (p. 130)

„Freie Kultur ist zunehmend das Opfer dieses Krieges gegen Piraterie. Als Antwort auf eine reale, wenn auch noch nicht quantifizierte Bedrohung der Geschäftsmodelle des 20. Jahrhunderts durch die Technologien des Internets werden die Gesetze und die Technologie auf eine Art und Weise verändert, die unsere Tradition einer freien Kultur gefährden. Das Copyright ist von einem balancierten zu einem unbalancierten Recht geworden. Die Möglichkeit zu kreieren und zu transformieren wird geschwächt in einer Welt, in der Kreation Erlaubnis bedarf und Kreativität sich mit einem Rechtsanwalt absprechen muss.“(p. 173)

„Dieses zu großen Teilen bestrafende System von Regulierungen wird systematisch Kreativität und Innovationen unterdrücken. Es wird einige Industrien und einige Schaffende schützen, aber es wird Industrie und Kreativität generell Schaden zu fügen. Freier Markt und Freie Kultur beruhen auf dynamischem Wettbewerb. Aber der Effekt von den heutigen Gesetzen ist, dass diese Art von Wettbewerb unterdrückt wird. Das Resultat ist das Erzeugen einer überregulierten Kultur, ebenso wie das Resultat von zu viel Kontrolle im Markt das Erzeugen eines überregulierten Marktes ist.“ (p. 192)

„Creative Commons sind nur ein Beispiel, wie freiwillige Anstrengungen von Individuen und Schaffenden die Balance der Rechte, die das kreative Feld steuern, verändern können. Ihr Ziel ist es nicht, die Rechte von Autoren abzuschaffen, sondern es einfacher für Autoren und Schaffende zu machen, ihre Rechte flexibler und günstiger auszuüben. Dieser Unterschied, so glauben wir, wird es ermöglichen, Kreativität einfacher zu verbreiten.“ (p. 286)

„Lessigs Vorschlag: Das Internet ist im Wandel. Wir sollten eine Technologie im Wandel nicht regulieren. Wir sollten stattdessen regulieren, dass Interessen, die davon betroffen sind, so wenig wie möglich verletzt werden, während die effektivste Technologie, die wir kreieren können, ermöglichen und ermutigen.“ (p. 303)

Hier habe ich in einem PDF die meiner Meinung nach wichtigsten Textstellen zusammengefasst und aus dem Englischen übersetzt:

Lawrence Lessig – Free Culture – Zusammenfassung

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