Schulischer Musikunterricht

——in Arbeit—–

Für den schulischen Musikunterricht ergeben sich in Sachen Urheberrecht – kulturelle Bildung und Kulturvermittlung lasse ich hier erst mal außen vor – meiner Meinung nach eine Vielzahl von Konsequenzen aus den Überlegungen wie „Everything is a Remix“, „Mashup – Lob der Kopie“ und „Freie Kultur“.

Zunächst ist ganz allgemein zu sagen, dass „Freie Kultur“ sich auch immer auf einen Bildungsgedanken bezieht indem eine von wirtschaftlichen Interessen unabhängige Bildung und freier Zugang zu Informationen für alle gefordert werden. Diese Ziele sind durch das Internet und die Digitalisierung von Inhalten für viele Unterstützer dieser Idee in eine greifbare Nähe gekommen. Noch nie war es so einfach und kostengünstig möglich, Informationen zu erhalten, diese zu kopieren und kreativ zu nutzen. Die Medienpädagogik und der schulische Unterricht müssen in diesem unüberschaubaren Angebot den SchülerInnen natürlich grundlegende Orientierungskompetenzen  vermitteln, um sie vor  möglichen negativen Folgen des Internets zu schützen, aber die Chancen, die sich für die Pädagogik durch einen freien Zugang ergeben, sind enorm. Initiativen wie Open Educational Resources ermöglichen es zum Beispiel, Unterrichtsmaterialien frei zur Verfügung zu stellen, damit sie von Lehrenden und Lernenden weitergenutzt werden können. Solche Ansätze werden unter anderem auch von den Creative Commons gefördert (creativecommons.org/education).

Wichtig ist es hierbei allerdings anzumerken, dass in diesen allgemeinen Diskussionen oftmals die Begriffe Bildung, Wissen und Information vermischt oder verwechselt werden. Ein freier Zugang zu Informationen ist noch längst kein Wissen und schon gar nicht gleichzusetzen mit Bildung. Die Möglichkeiten, die sich aus einem freien Internet ergeben, können demnach Bildung unterstützen, aber nicht à la „E-Learning = Bildung“ ersetzen. Letzteres ist aber auch gar nicht das Anliegen der Bewegung der „Freie Kultur“-Bewegung, aber ich plädiere für eine klare Terminologie.

Im Folgenden möchte ich mich nun aber vor allem auf den schulischen Musikunterricht konzentrieren.
Kriminelle SchülerInnen im Musikunterricht? Die Haltung der Musikpädagogen gegenüber der Kriminalisierung der Jugendlichen empfinde ich als ein zentrales Moment der Auseinandersetzung mit dem Thema „Freie Kultur und Musik“. Copy & Paste, Tauschbörsen, Musikstreams, Musikvideos auf youtube und „Rüberziehen“ (nicht Kopieren!) von Musikalben als mp3s sind Alltag bei Jugendlichen. Dabei ist rechtlich gesehen alles, was über die Privatkopie hinaus geht, zunächst einmal verboten und kann Klagen mit Geldstrafen zur Folge haben. Viele kennen aus ihrem sozialen Umfeld bereits solche Fälle und sind dadurch verunsichert. In den Fernseh- und Kinospots „Hart aber gerecht“ wurde Raubkopierern sogar mit Freiheitsentzug von bis zu fünf Jahren gedroht.

Diese Kriminalisierung von kulturellen Praxen Jugendlicher stellt meiner Meinung nach die Lehrpersonen vor ein Problem. Die wenigsten LehrerInnen werden wohl ihre SchülerInnen als Kriminelle bezeichnen, weil sie sich Musik „illegal“ aus dem Internet ziehen, aber die Musikindustrie, die GEMA, viele Rechtsanwälte und sogar Hochschulen (siehe das Projekt Play fair – Respect music der HMTMH Hannover) vertreten die Meinung, dass ein respektvoller Umgang mit Musik bedeutet, dass man die SchülerInnen über die aktuelle Gesetzeslage informiert und verdeutlicht, dass illegale Downloads das gleiche sind wie ein CD-Diebstahl in einem CD-Geschäft. Das ist natürlich etwas überspitzt formuliert doch ich habe das Gefühl, dass beim Thema Bildung oft einfach „blind“ den Gesetzesvorschriften gefolgt wird anstatt die Probleme, die das aktuelle Urheberrecht für die digitale Gesellschaft mit sich bringt, zu thematisieren und zu hinterfragen. Meiner Meinung wird in der Musikpädagogik zu leichtfertig von „illegalen Downloads“ und „das-ist-nach-derzeitigem-Urheberrecht-verboten“ gesprochen, anstatt eine deutliche Position für eine freiere Musikkultur zu beziehen (das ist so etwas wie meine Kernthese!).

Weiterführende Fragen im Unterricht wären zum Beispiel: Ist es wirklich illegal ein Video bei Youtube hochzuladen und mit urheberrechtlich geschützter Musik zu untermalen? Verdienen Musiker wirklich weniger, wenn ich mir ihr Album von Filehostern runterlade und Freunden zeige? Was sind die Alternativen zur GEMA?
Was darf heute kopiert und geremixt werden und wie sollte es in Zukunft sein? Haltung der Musikpädagogen gegenüber des Urheberrechts.
Wie ist (Musik-)Piraterie einzuschätzen?
Play Fair – Respect Music (HMTMH): Unterrichtsmaterialien in der Kritik („illegale Downloads“, Urheberrecht wird hingenommen).

Neue Unterrichtsideen gibt er hier.

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